Auf dem Wiener Kongress hatten die Anwesenden schon am 13. März eine förmliche Achtserklärung gegen Napoleon erlassen und am 25. März ihr Bündnis gegen ihn erneuert und die Zusammenziehung ihrer Heere beschlossen. Napoleon musste daher seinen Thron von neuem verteidigen.
Die Verbündeten beschlossen mit vier großen Armeen gegen Napoleon vorzugehen. Eine englisch-deutsche unter dem durch seine Siege in Spanien berühmt gewordenen Herzog von Wellington in Belgien, eine preußische am Niederrhein unter Feldmarschall Blücher, eine russische am Mittelrhein unter Feldmarschall Michael Andreas Barclay de Tolly und eine österreichisch-deutsche am Oberrhein unter dem Fürsten Schwarzenberg.
Diese vier Armeen sollten um die 715.000 Soldaten stellen, weitere Reserven wurden hinter den Linien bereits ausgehoben. Allerdings war die Meinung in den ehemals von Frankreich besetzten Ländern nicht durchweg gegen Napoleon. Ganz im Gegenteil, die Länder des Rheinbundes konnten sich bereits zu Beginn der Befreiungskriege nur schwer für die preußisch-russische Sache erwärmen und nur in Preußen saß ein tiefer Hass gegen Frankreich.
Außerdem erhoffte man sich in Berlin aus dem neuen Krieg mehr, als von dem Frieden von Wien.
"Dies ist das größte Glück, was Preußen begegnen konnte, nun fängt der Krieg von neuem an und die Armee wird alle in Wien begangenen Fehler wieder gut machen", sagte Blücher, nachdem er die Nachricht von der Rückkehr Napoleons erhalten hatte. (Die Befreiungskriege 1813 bis 1815. Carl Tanera. 1913)
Blücher und seinem Generalstabschef Gneisenau standen vier Korps zur Verfügung und sie sammelten diese bei Jülich. Diese Korps waren den Generälen von Zieten, von Borstell, von Thielmann und von Bülow unterstellt. Zusammen mit den Armeen der Hessen, den thüringischen und oldenburgschen Truppen betrug Blüchers Armee Ende Mai etwa 135.000 Mann.
Bei Brüssel sammelte sich unter Wellington die englisch-deutsche Armee. Sie bestand aus 33.000 Engländern, 25.000 Niederländern, 16.000 Hannoveranern, 7.500 deutschen Legionären, 6.700 Braunschweigern und 7.300 Nassauern.
In vielen anderen Ländern war der Enthusiasmus jedoch gering, konnte man doch mit einem eingeschränkten Frankreich unter Napoleons Herrschaft gut leben. Nach den vielen Kriegsjahren machte sich eine ungeheure Kriegsmüdigkeit breit.
In den letzten Maitagen trafen sich Wellington und Blücher um das gemeinsame Vorgehen zu besprechen. Sie einigten sich sehr schnell auf Paris als Ziel ihrer beiden Armeen. Beiden war bewusst, dass sie als Helden in die Geschichte eingehen konnten, wenn sie ohne die Unterstützung der Österreicher und Russen den korsischen Unruhestifter fassten. Sie vereinbarten, dass ihre Armeen immer nur soweit voneinander operierten, dass sie sich gegenseitig innerhalb von 24 Stunden unterstützen konnten. Außerdem sollte jeder dem anderen sofort zur Hilfe eilen, wenn Napoleon eine der beiden Armeen angriff.
Demgemäß marschierte die preußische Armee im Maastal vorwärts. Am 27. Mai stand das Korps von Zieten in und neben dem Sambre-Tal zwischen Marchienes und Fleurus, dahinter das von Pirch I. (anstelle des Generals Borstell) um Namur. Thielmanns Korps war im Maastal und östlich davon in die Gegend von Dinant und Ciney vorgeschoben, und das Korps von Bülow bildete die Reserve bei Lüttich. Diese vier Armeekorpse hatten zusammen eine Stärke von 115.000 Mann. Das Korps des Grafen Kleist stand um dieselbe Zeit mit seinen 20.000 Soldaten noch um Trier.
Napoleon standen nach seiner Machtergreifung rund 200.000 Soldaten sofort zur Verfügung. Weitere 75.000 konnten kurzfristig ausgehoben werden. Die Massenaushebungen, wie zur Zeit der Revolutionskriege, blieben vorerst aus. Diesmal ließ er aber nicht die festen Stellungen außer Acht und bereitete besonders die Verteidigung von Paris vor.
Napoleon musste sofort handeln und den Feldzug gewinnen, bevor sich die vier Armeen der Koalitionäre vereinigt hatten. Gegen die beiden Armeen von Wellington und Blücher führte Napoleon 130.000 Mann in den Korps von Mortier, Drouet, d'Erlon, Reille, Vandamme, Gérard, Lobau und Grouchy. Die Soldaten mussten ausreichen um Wellington und Blücher nacheinander schlagen zu können. Er verließ am 11. Juni Paris und traf am 14. bei seiner Truppe ein und begann sofort mit dem Vormarsch.
Das kleine Städtchen Waterloo in der belgischen Provinz Brabant, 15 Kilometer südöstlich von Brüssel, am südlichen Rande des Soigner Waldes, wurde im Juni des Jahres 1815 weltberühmt, obwohl das eigentliche Ereignis einige Kilometer entfernt stattfand.






