Johannes Bückler (1777-1803), genannt Schinderhannes oder Robin Hood vom Hunsrück, wurde am 21. November 1803 mit 19 seiner Komplizen in Mainz hingerichtet.
Das Leben von Johannes Bückler endetet unrühmlich unter dem Fallbeil der Guillotine auf einer Anhöhe vor den Wällen von Mainz. Johannes Bückler war kein "edler Räuber", der Reiche und Geizige bestahl sowie Arme beschenkte, noch war er Freiheitskämpfer gegen die französiche Besatzungsmacht. Er war zweifelsfrei berühmt, charismatisch und wusste sich auch vor Gericht anders als ein gewöhnlicher Räuber und Mörder darzustellen, aber ein Wohltäter war er in keinster Weise.
Hannes, der älteste Sohn der Familie Bückler, war unter den Räubern seiner Zeit beinahe der Einzige, der aufgrund einiger Schuljahre das Lesen, Schreiben und Rechnen beherrschte. Auch im Umgang mit anderen zeigte er sich charmant und humorvoll, was vor allem auch auf Frauen sehr anziehend wirkte. Er wird als guter Tänzer beschrieben und kleidete sich stets elegant und modisch. Selbst während der Gerichtsverhandlung in Mainz wusste der Schinderhannes die Menschen für sich zu gewinnen. Sein Auftreten vor Gericht war weder linkisch noch bäuerisch, sondern offen und gewandt.
Der Mythos um den „Schinderhannes" entstand bereits mit den ersten Flugblättern und Zeitungsberichten, die vor Beginn des Strafprozesses in Mainz veröffentlicht wurden. Dem aufwendige Strafprozess fand unter Beteiligung der Öffentlichkeit statt, die vielen Angeklagten, die große Anzahl Zeugen sowie die abschließende Massenhinrichtung vor den Toren von Mainz steigerten noch die Faszination um den Hunsrück-Räuber. Ungeachtet dessen war der Schinderhannes kein "edler Räuber", der Reiche und Geizige bestahl sowie Arme beschenkte. Seine Aussagen, er habe nie Gewalt ausgeübt oder einen Mord begangen, trafen nicht zu. Er war an unzähligen gewalttätigen Kapitalverbrechen beteiligt, bei denen Opfer brutal geschlagen, gefoltert oder sogar getötet wurden. Auch mit rivalisierenden Räubern lieferte er sich wüste Schlägereien, bei denen er oder andere schwer verletzt wurden.
In den Folgejahren nach seiner Hinrichtung verstärkte sich die Verklärung des Schinderhannes als "Robin Hood vom Hunsrück". Besonders zu Beginn des 20. Jahrhunderts und der erneuten Besetzung des Rheinlands durch französische Truppen nach dem 1. Weltkrieg, wurde verschiedentlich versucht, den Schinderhannes zu einer Art Freiheitskämpfer gegen die französische Besatzungsmacht hoch zu stilisieren. Tatsächlich ist jedoch keine einzige Handlung des Schinderhannes bekannt, die sich in irgend einer Form gegen die französische Besatzungsmacht gerichtet hätte. Im Gegenteil, wie alle anderen Räuber, machte auch er einen großen Bogen um Dörfer, wo er oder seine Kameraden französische Soldaten vermuteten. Im ging es einzig und allein um fette Beute und nicht um Freiheitskampf. Trotzdem wurde das Bild selbst in der Schinderhannes-Biographie von Curt Elwenspoek aufgriffen, wenn auch in abgeschwächter Form. Davon angeregt entstand das bekannte Theaterstück von Carl Zuckmayer, dessen munterer rheinischer Rebell deshalb nicht nur die Zeit des Rhein- und Ruhrkampfes, sondern auch des Klassenkampfes zwischen 1920 und 1923 widerspiegelt als die Not- und Kriegszeit zwischen 1800 und 1803 im Hunsrück. So ist auch heute das Bild des Schinderhannes bei den meisten Menschen stark geprägt von den romantisch-verklärenden Romanen, Bühnenstücken und Filmen jener Zeit.






