Schlacht von Jemappes

Die Schlacht von Jemappes am 6. November 1792 war eine der ersten großen Offensivschlachten der Französischen Revolutionskriege und markierte den Übergang Frankreichs von der bloßen Verteidigung zur aktiven Expansion.

Ausgangslage
Nach dem erfolgreichen Kanonendonner von Valmy im September 1792 gerieten die Koalitionstruppen auf französischem Boden ins Stocken. Die neu ausgerufene Französische Republik ergriff rasch die Initiative. Der französische Oberbefehlshaber der Nordarmee, General Charles-François Dumouriez, plante einen kühnen Einmarsch in die Österreichischen Niederlande (das heutige Belgien), um die Bedrohung der nördlichen Grenzen endgültig abzuwenden und die Revolution nach Europa zu tragen.
Teilnehmer & Truppenstärke




(Nordarmee)
(Österreich)
StreitkraftBefehlshaberTruppenstärkeVerlustzahlen
Französische RepublikGeneral Charles-François Dumouriez, Duc de Chartres (später König Louis-Philippe)
ca. 40.000–45.000 Mann, 100 Geschütze
ca. 2.000 Gefallene und Verwundete
Kaiserliche HabsburgermonarchieHerzog Albert von Sachsen-Teschen, Feldzeugmeister François de Clerfayt
ca. 13.000–14.000 Mann, 50 Geschütze
ca. 1.500 Gefallene und Verwundete, 1.500 Gefangene

Geografie
Das Schlachtfeld lag westlich der Stadt Mons im heutigen Belgien. Die österreichischen Truppen hatten sich auf einer hügeligen, sanft ansteigenden Geländestufe verschanzt, die von den Dörfern Cuesmes und Jemappes gekrönt wurde.
  • Verteidigungsvorteil: Die Österreicher nutzten die Anhöhen für befestigte Redouten, Verhaue und Kanonenstellungen.
  • Hindernisse: Das Vorgelände war durch feuchte Wiesen, Gräben und ein schmales Flusstal (die Haine) gespalten, was den geschlossenen Vormarsch der Franzosen erschwerte.
Verlauf
Am Morgen des 6. November 1792 begann der Angriff der zahlenmäßig weit überlegenen Franzosen.
  • Artillerieduell: Die Schlacht begann um 7:00 Uhr morgens mit einem stundenlangen gegenseitigen Kanonenbeschuss. Die französische Artillerie richtete beträchtlichen Schaden an, konnte die Verbändestellungen der Österreicher jedoch nicht brechen.
  • Frontalangriff im Zentrum: Gegen Mittag befahl Dumouriez den allgemeinen Sturmangriff. Unter dem Gesang der Marseillaise rückten die französischen Infanteriekolonnen in breiter Front gegen die Höhenzüge vor.
  • Krisenmoment & Wende: Der Angriff stockte unter dem massiven Kartätschenfeuer der Österreichischen Redouten. Der junge Duc de Chartres rief weichende Bataillone zusammen, formierte sie zu einer geschlossenen Kolonne ("Bataillon de Mons") und führte sie erneut den Hang hinauf.
  • Durchbruch: Während der rechte französische Flügel unter General Beurnonville die Stellungen bei Cuesmes erstürmte, drangen französische Truppen in das Dorf Jemappes ein. Nach hartem Nahkampf in den Straßen und Befestigungen brach die österreichische Linie gegen 14:00 Uhr zusammen. Herzog Albert befahl den geordneten Rückzug in Richtung Brüssel.
Ergebnis
Die Franzosen errangen einen entscheidenden Sieg über das kaiserliche Heer. Obwohl die Österreicher den geordneten Rückzug angetreten hatten und ihre Verluste verhältnismäßig gering blieben, konnten sie die Übermacht der revolutionären Truppen auf offenem Feld nicht mehr aufhalten.
Auswirkung
  • Besetzung Belgiens: Innerhalb weniger Tage fielen Mons, Brüssel und schließlich die gesamten Österreichischen Niederlande unter französische Kontrolle.
  • Stärkung der Revolution: Jemappes bewies, dass die Truppen der Republik – eine Mischung aus Berufssoldaten und enthusiastischen Freiwilligen (Volontaires) – auch in der Lage waren, befestigte Stellungen erfahrener europäischen Großmächte im Sturm zu nehmen.
  • Eskalation des Krieges: Der Erfolg beflügelte die Nationalkonvention in Paris zur Annexion Belgiens und zur Öffnung der Schelde für den Handel. Dies rief Großbritannien und die Niederlande auf den Plan und führte Anfang 1793 zur Ausweitung des Konflikts zum Ersten Koalitionskrieg.

Diese Webseite verwendet Cookies, um Ihnen den bestmöglichen Service zu gewährleisten. Durch die Nutzung der Webseite akzeptieren Sie die Verwendung von Cookies, weitere Informationen zur Datenschutzerklärung finden Sie hier.